Wolfgang-Borchert-Gymnasium Langenzenn
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Exkursion des Geographie-Kurses ins Nördlinger Ries

Am letzten Wochenende des Schuljahres im Juli 2017/18 begaben sich 17 Schüler und Schülerinnen des Geographie/Geologie-Kurses bei Frau Zimmermann auf eine Exkursion nach Nördlingen. Sie erforschten die Spuren eines apokalyptischen Szenarios, dem Einschlag eines Meteoriten. Der Nördlinger Rieskrater ist einer der besterhaltenen und erforschten Meteoritenkrater der Welt und damit eine geologische Besonderheit erster Klasse. Was war denn da bloß passiert? 1. bericht bild 1

Vor 14,5 Millionen Jahren, in der Epoche des Miozän, rast ein etwa 1000 Meter dicker kosmischer Körper auf die Erde zu. Seine Geschwindigkeit beträgt 70.000 km/h (das sind rund 20 Kilometer in der Sekunde!). Der Asteroid schlägt mit unfassbarer Wucht auf der Erde ein. Seine Sprengkraft ist vergleichbar mit der von 250.000 Hiroshima-Bomben. Eine Glutwolke steigt über dem Krater auf. Als sie kollabiert, prasselt ein Hagel aus 300 Milliarden Tonnen Gestein und ein heißer Regen aus Glut und Säure auf die Erde nieder. Zurück bleibt nach nur acht bis zehn Minuten ein Krater von 25 Kilometern Durchmesser und eine völlig verwüstete Landschaft.

Wo vorher eine subtropische Landschaft mit Sümpfen und offenen Wäldern, vergleichbar mit der im heutigen Florida, zu finden war, war jetzt ein verbranntes Trümmerfeld. Wo vorher Krokodile, Schildkröten, Pelikane und Schlangen die Gegend durchstreiften, war jetzt absolut kein Leben mehr.

Vom Asteroiden selbst blieb nichts erhalten. Er verdampfte oder pulverisierte vollständig. Das tiefliegende Grundgebirge und die darauf lagernden Schichten des Trias, Jura und Tertiär wurden jedoch durchschlagen und völlig zertrümmert. Ganze Megablöcke wurden versetzt, Gesteinspakete auf den Kopf gestellt und Gesteine aufgeschmolzen.

Heute erinnert das in ganz Nördlingen verbaute „Suevit“ an den Impakt. So wurde das markanteste Gebäude der Stadt aus diesem Impaktgestein gebaut: die Kirche St. Georg. Suevit besteht aus zertrümmerten und aufgeschmolzenen Material der getroffenen Erdkruste. Charakteristisch sind die sog. „Flädle“ im Gestein, das sind dunkle Fetzen von verglasten Einschlüssen.

FREITAG, 20. Juli 2018

Auf einer mehrstündigen Geländeexkursion unter Leitung von Diplom-Geologin Frau Pösges und bei subtropisch heißen Temperaturen erwanderten 1. bericht bild 2die Schüler und Schülerinnen verschiedene Geotope und Aufschlüsse, die auf das Ereignis zurückzuführen sind. Sie sahen in der Ferne den äußeren Kraterrand. Sie erlebten Frau Pösges‘ Freudenausbruch beim Auffinden eines seltenen Strahlenkegels, untersuchten verschiedene Gesteinsproben, betrachteten mit der Lupe Millionen winziger fossiler Muscheln aus dem später im Krater entstandenen Riessee, kraulten monströse Hunde und skizzierten eifrig Profile von … naja, es waren dann doch nur Mitschüler.

Nach einem stärkenden Abendessen im Hotel und einer kurzen Ruhepause raffte sich eine kleine Gruppe auf, um die Altstadt einmal auf der vollständig begehbaren Stadtmauer zu umrunden und den Türmer um 22 Uhr „So, Gsell, so!“ in alle vier Himmelsrichtungen rufen zu hören. Durch seinen Ruf hat der Türmer im Mittelalter signalisiert, dass er auf seinem Posten ist und nicht schläft. Er wachte über die Stadt und warnte die Bevölkerung vor Angriffen oder Bränden.

SAMSTAG, 21. Juli 2018

Nach dem leckeren Frühstücksbuffet ging es für alle auf zur St. Georgskirche, deren Turm, der „Daniel“, über 350 1. bericht bild 31. bericht bild 4Stufen zu erklimmen war. Oben angekommen trafen die SchülerInnen den diensthabenden Türmer und die Turmkatze „Wendelstein“.

Anschließend bekam die Gruppe im Rieskratermuseum eine 1,5-stündige kompetente und spannende Führung durch Frau Pösges. Mit  ihrer enormen Begeisterungsfähigkeit hat sie womöglich den ein oder anderen Nachwuchs-geologen inspiriert! Jedenfalls versicherte sie, dass sich das Studium der Geologie durchaus lohne!

                                   

 

Text und Fotos: C. Zimmermann

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